9. Sinfoniekonzert
Arnold Schönberg, Verklärte Nacht, op. 4
Dmitri Schostakowitsch Sinfonie Nr. 13 b-Moll op. 113
Einführung jeweils 45 Min. vor Konzertbeginn
Mit Arnold Schönberg und Dmitrij D. Schostakowitsch stehen zwei künstlerische Antipoden auf dem Programm, an deren Werken sich lange die Geister schieden. Der eine war als radikaler Avantgardist verschrien, der andere als sowjetischer Staatskünstler. Beides waren Vorurteile, die die wirkliche künstlerische Qualität der Komponisten verkannten. Gedichte liegen beiden Werken zugrunde. Schönbergs Streichsextett »Verklärte Nacht«, das in einer Fassung für Streichorchester erklingt, fußt auf einem Gedicht von Richard Dehmel, das keine vokale, sondern eine rein instrumentale Ausgestaltung erfährt. Das Sextett entstand 1899 und wurde 1902 durch das Rosé-Quartett in Wien uraufgeführt. Bis heute ist es Schönbergs erfolgreichstes Werk, weil es so unverkennbar romantisch nach Gustav Mahler oder Richard Strauss klingt. Aber diese Romantik ist doppelbödig, antibürgerlich. Die zwei Menschen, die durch die kahle, kalte Mondnacht gehen, erwarten ein Kind, aber sie gesteht ihm, es sei nicht seines, in Erwartung einer Katastrophe. Doch der Mann nimmt es als seines an, und die Nacht schimmert in einem verklärten Glanz. Schönbergs musikalischer Bezug auf Gustav Mahler ist kein Zufall. Er verehrte ihn wie einen Heiligen, er war für ihn der erste moderne Künstler. Zehn Jahre später wird er ein weiteres Werk in der Tonsprache der »Verklärten Nacht« schreiben, die »Gurre-Lieder«, sein monumentalstes und umfangreichstes Werk.
Nicht vom Leben, vom Tod handelt die 13. Sinfonie von Dmitrij D. Schostakowitsch, die den Beinamen »Babi Jar« trägt. Babi Jar ist der Name einer Schlucht bei Kiew, in der deutsche Wehrmachtssoldaten am 29. und 30. September 1942 34.000 Juden erschossen. Dieses Verbrechen schildert Jewgenij Jewtuschenkos Gedicht, das Schostakowitsch 1961 für den 1. Satz seiner Vokalsinfonie wählte. Damit verschaffte er den Versen eine öffentliche Resonanz, denn sie waren eigentlich verboten, weil der Dichter seine Anklage auch auf den russischen Antisemitismus ausdehnte. Vier weitere Jewtuschenko-Gedichte folgen. Sie handeln von den Kriegsfrauen, den Denunzianten, den Karrieristen, ungewöhnliche Themen für eine Sinfonie. Den Gipfelpunkt bildet eine Apotheose des politischen (staatsfeindlichen) Witzes in der Form eines überwältigend frechen Scherzos. Das ist die triumphalste Musik, die Schostakowitsch jemals geschrieben hat.
Das Finale aber ist ein Lob der Aufrichtigkeit, die Schostakowitsch mit einem altmodischen Walzer verklärt. Die 13. Sinfonie zählt zu den radikalsten, musikalisch aber auch eindrucksvollsten Werken des Komponisten.
Der Chor des Staatstheaters Braunschweig hat seit der Wiedereröffnung 1948 seinen festen Platz in der Niedersächsischen Musikwelt. Neben dem »normalen « Bühnenrepertoire ist die Mitwirkung bei den chorsinfonischen Konzerten des Staatsorchesters Braunschweig eine zusätzliche und willkommene Herausforderung. In den letzten Jahren hat sich der Opernchor verstärkt auch den geistlichen Chorwerken gewidmet. 2002 veröffentlichte der Opernchor unter der Leitung seines Chordirektors Georg Menskes seine erste CD mit einem Querschnitt durch die Opernchorliteratur.
Der KonzertChor Braunschweig hat sich seit seiner Gründung 1993 über Braunschweigs Grenzen hinaus zu einem geachteten Vokalklangkörper mit 70 Mitgliedern entwickelt. Die Pflege der Literatur von der Barockzeit bis zur Moderne bildet einen wichtigen Schwerpunkt. Darüber hinaus überzeugte der Chor durch Konzerte mit selten zu hörenden Kompositionen, darunter Schmidts »Buch mit sieben Siegeln« oder Spohrs Oratorium »Die letzten Dinge«.
am 15.05. um 11.00 und 16.05.2011 um 20.00
Konzertchor Braunschweig
Chor des Staatstheaters
Stadthalle